Wenn Eltern alt werden… 8: Vorwürfe kommen

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Seit einer Woche ist meine Mutter nun im Seniorenheim. Sie hat ein schönes, neues Zimmer im ersten Stock, mit Blick in einen Park nach Süden. Sie konnte eigene Möbel mitbringen, hat ein behindertengerechtes Badezimmer und ich bin nur 5 Minuten entfernt. Schon am ersten Tag hat sie sich mit anderen Bewohnern in der Wohngruppe bekannt gemacht und auch schon an diversen Aktivitäten teilgenommen, heute Yoga!

Vorgestern bekam ich einen Anruf von einer Bekannten meiner Mutter: warum wir sie ins Pflegeheim gesteckt hätten? Sie wäre doch nicht so schlecht zurecht gekommen.

Ich musste mich sehr  zusammennehmen, um nicht unfreundlich zu werden. Diese Verurteilung, man sei lieblos oder würde sich nicht kümmern, hat mir sehr weh getan.

Ich werde meine Mutter weiter begleiten und unseren Weg schildern. Bis bald!

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Wenn Eltern alt werden…7 – wohin?

Meine Mutter ist nun zum zweiten Mal in der Rehaklinik – noch 2 Wochen. Was dann?

Wir sind uns sicher, dass sie s nicht mehr in ihrem Haus alleine wohnen kann. Das ging schon vor dem Schlaganfall mehr schlecht als recht und nur mit unserer Hilfe. Es geht nicht darum, ihr nicht helfen zu wollen. Sie kann nicht mehr ohne Betreuung leben, das ist uns klar. Alle in der Familie sind berufstätig. Wir können meine Mutter nicht zu uns nach Hause holen.

Es gibt nur zwei Möglichkeiten: zu Hause mit Pflegerinnen oder im Seniorenheim

Pflegerinnen, die im Haus wohnen, können eine Alternative sein – jedoch muss genug Platz in der Wohnung sein, die Pflegerin fließend Deutsch sprechen, in Altenpflege geschult sein und den Haushalt führen. Das geht oft, aber nicht immer gut.

Ich denke, für demente Patienten ist ein gutes Seniorenheim die bessere Lösung, da dort 24 Stunden Betreuung gesichert ist, die Menschen in Gruppen zusammen leben und auch immer Anregungen und soziale Kontakte haben. Dennoch ist es auch im Heim wichtig, oft zu Besuch zu kommen, Spiele zu machen, spazieren zu gehen…

Wenn Eltern alt werden … 6

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Nach 3 Wochen war gestern der Aufenthalt meiner Mutter in der Unfallchirurgie beendet. Sie konnte wieder in die Rehaklinik zurück.

Ich habe sie dort dann auch besucht und geholfen, die Taschen auszupacken und sich ein bisschen einzurichten. Dass sie bereits im gleichen Haus, in der gleichen Station war, konnte sie sich nicht erinnern. Sie empfand ihre neue Umgebung wie ein Hotel. Glücklicherweise hat sie nun wieder ein Telefon und ein TV-Gerät, die sie selbst noch bedienen kann. wir brachten ihr auch einen alten Kofferradio von daheim.

Ich habe gerade mit ihr telefoniert: es geht gut, aber sie möchte unbedingt nach Hause. Ich denke, die neue Umgebung und die Untätigkeit machen ihr wieder zu schaffen.

Daheim hatte sie ihre kleinen Arbeiten in Haushalt und Garten, mit denen sie sich beschäftigen konnte. Wir haben auch durch ihre Geschäftigkeit die Defizite nicht wirklich erkannt.

Wenn Eltern alt werden … 5

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Die Operation hat meine Mutter sehr gut überstanden. Sie konnte schon am nächsten Tag mit Hilfe aufstehen und hatte bald keine großen Schmerzen mehr.

Im Krankenhaus – Doppelzimmer – ist meine Mutter nun sehr verwirrt. Sie bediente sich aus dem Kleiderschrank ihrer Zimmernachbarin, geisterte die Nächte durch das Zimmer und fragte immer wieder, warum sie eigentlich da sei.

Mit zunehmender Besserung wurde sie immer aktiver. Sie zog sich ihre Straßenkleidung an und ging in der Station mit Rollator spazieren. Leider verschwand sie auch schon einige Male in den Weiten des Krankenhauses und fand nicht mehr zurück. Wir suchten sie schon mehrfach. Glücklicherweise hat sie die Klinik nicht verlassen und ist nicht auf die stark befahrene Straße gelaufen.

Heute werde ich sie, wie fast jeden Tag, wieder besuchen. Sie freut sich sehr über Besuch, kann sich aber nicht erinnern, wer wann bei ihr war. Es ist für uns sehr schwierig. Wir wollen sie nicht immer ermahnen und berichtigen.

Wenn unsere Eltern alt werden… 1

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Wir können es uns schwer vorstellen, solange alles gut ist – aber: unsere Eltern werden, wie wir auch, alt. Nicht nur alt, sondern vergesslich, traurig, krank, behindert, aggressiv, depressiv…

Es ist gut, dass wir uns diesen Zustand nicht vorher ausmalen können. Denn wir können nichts planen. Dies habe ich durch meinen Beruf und durch meine Familie begriffen.

In den nächsten Wochen werde ich Situationen aus dem Leben meiner Familie schildern, die typisch sind für den Alltag alter Menschen.

Notdienst – seit 13:00

 

Eine deutsche Spezialität ist der ärztliche Notdienst der kassenärztlichen Vereinigungen.

Diese Dienste – wohlgemerkt Hausbesuche – sollen den Patienten abends ab 18:00, an Wochenenden und am Mittwoch und Freitag ab 13:00 eine ärztliche Versorgung im Notfall sichern.

Ich gebe zu, es gibt Notfälle – fiebernde Kinder und Senioren, Tumorpatienten, schwere Infektionen, Herzbeschwerden, Atemnot, Menschen mit starken Schmerzen aus verschiedenen Gründen usw.

Es ist jedoch unglaublich, wie wir Ärzte auch von Patienten ausgenützt werden. Warum ein Hausbesuch nachts bei Arthroseschmerzen im Knie oder Rücken, bestehend seit Wochen, bei Schlafstörungen, leichter Übelkeit, Schnupfen, Juckreiz uvm. Viele Patienten bevorzugen den Hausbesuch, um so lästiges Warten am Tag in der Praxis zu vermeiden.

In meiner Praxis sehe ich auch viele Menschen aus dem europäischen Ausland. Dort sind Hausbesuche so gut wie unbekannt. Die Deutschen sind ja auch die Weltmeister im Praxisbesuch. 3x mehr als die Schweizer und Österreicher! Warum wohl??

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Krank ohne Krankenkasse?

 
Habt Ihr Euch schon einmal Gedanken gemacht, wie es sich in Deutschland ohne Krankenversicherung lebt?

Ich arbeite seit 25 Jahren mit meiner Kollegin in unserer Allgemeinarzt-Praxis. Wir sehen die Probleme, die plötzlich auftauchen, wenn man nicht versichert ist.

NEIN, es handelt sich nicht um Asylbewerber, sondern um Menschen, die schon immer oder schon lange hier leben. Sie sind aus verschiedenen Gründen nicht versichert:

  • Frühere Privatpatienten, die sich die Versicherung nicht mehr leisten können
  • Selbstständige – in der Hoffnung, dass man nicht krank wird
  • Arbeitslose, die sich nicht bei den Ämtern melden
  • Menschen aus anderen Ländern, die hier nicht registriert sind
  • und noch viele andere

WAS TUN? Es gibt Menschen, die müssen eine weitere Untersuchung haben, die müssen ins Krankenhaus, die brauchen Medikamente, Laboruntersuchungen und Röntgenbilder. Da kann der niedergelassene Arzt auch mit kostenloser Beratung nicht jedes Problem lösen.

Auf der Suche nach Hilfe für eine Patientin bin ich auf Ärzte der Welt Open.Med gestoßen.

Diese Organisation betreibt in München, Stuttgart und Hamburg Praxen für Menschen ohne Versicherungsschutz. Dort arbeiten Ärzte ehrenamtlich und kostenlos!

Das finde ich wirklich bewundernswert und zur Nachahmung empfohlen.

Gerne werden auch Spenden angenommen!!